Schaben unterscheiden Sie an vier Merkmalen: Größe, Grundfarbe, Zeichnung des Halsschildes und Flügellänge. Die Deutsche Schabe ist 10 bis 15 Millimeter lang, hellbraun und trägt zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild – sie ist die häufigste Art in Wohnungen und Betrieben. Die Orientalische Schabe ist größer und dunkelbraun bis schwarz, die Braunbandschabe kleiner mit hellen Querbinden. Harmlos und kein Hygieneschädling ist die Gemeine Waldschabe, die im Sommer einzeln von draußen zufliegt.
Grundlage: Biologie von Blattella germanica, Blatta orientalis und Ectobius lapponicusEin braunes, flaches Insekt läuft nachts über die Küchenfliesen – und der Abend ist gelaufen. Dabei entscheidet die Artbestimmung darüber, ob daraus eine fünfminütige oder eine mehrwöchige Angelegenheit wird. Vier Merkmale genügen, um sie zu treffen. Um Schaben unterscheiden:, lesen Sie den folgenden Artikel.
Schaben unterscheiden:Die vier Bestimmungsmerkmale
Größe. Messen Sie von Kopf bis Flügelende, nicht mit Fühlern. Unter zwölf Millimetern ist es keine Orientalische Schabe; über zwanzig Millimetern keine Deutsche.
Grundfarbe. Hellbraun bis bernsteinfarben, dunkelbraun oder fast schwarz – dieses Merkmal allein trennt schon die drei wichtigen Arten.
Halsschild. Die Platte hinter dem Kopf. Zwei schwarze, parallele Längsstreifen bedeuten Deutsche Schabe; ein einfarbig dunkles Halsschild Orientalische Schabe; helle Querbinden auf dem Hinterleib Braunbandschabe.
Flügel und Flugverhalten. Fliegt das Tier? Dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Waldschabe und kein Hygieneschädling.
Die Arten im Vergleich
| Art | Größe | Erkennungsmerkmal | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Deutsche Schabe | 10–15 mm | hellbraun, zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild | häufigster Hygieneschädling, dringender Handlungsbedarf |
| Orientalische Schabe | 20–28 mm | dunkelbraun bis schwarz, Flügel beim Weibchen verkürzt | Keller, Heizungsräume, Kanalnähe; Handlungsbedarf |
| Braunbandschabe | 10–14 mm | zwei hellbraune Querbinden, Männchen schlank | warme Räume, Elektrogeräte; Handlungsbedarf |
| Amerikanische Schabe | 28–44 mm | rotbraun, hell gerandetes Halsschild, flugfähig | selten, meist Zoos, Gewächshäuser, Importware |
| Gemeine Waldschabe | 7–11 mm | schlank, hell lederfarben, fliegt gut, einzeln | harmlos, kein Befall, kein Eingriff nötig |
Die Deutsche Schabe – warum sie der schwierige Fall ist
Drei Eigenschaften machen Blattella germanica zum anspruchsvollsten Hygieneschädling im Innenraum.
Das Eipaket. Das Weibchen trägt die Eikapsel mit etwa dreißig bis vierzig Eiern bis kurz vor dem Schlupf am Hinterleib. Dadurch sind die Eier gegen Kontaktinsektizide und Oberflächenbehandlungen weitgehend geschützt. Eine Behandlung, die alle laufenden Tiere erfasst, lässt die nächste Generation unberührt – weshalb es immer mehrere Termine braucht.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit. Bei fünfundzwanzig bis dreißig Grad – also hinter Kühlschrank, Spülmaschine, Kaffeemaschine und in Zargen von Großküchengeräten – vergehen von der Eiablage bis zum fortpflanzungsfähigen Tier nur etwa zwei bis drei Monate. Aus wenigen eingetragenen Tieren wird in einem Sommer ein Befall.
Die Spaltenbindung. Die Tiere halten sich zu über neunzig Prozent in Spalten von zwei bis vier Millimetern auf, bevorzugt warm und in Nähe von Wasser. Sichtbar ist deshalb nur ein Bruchteil. Wer tagsüber eine Schabe sieht, hat in der Regel einen fortgeschrittenen Befall – dann ist der Verstecksraum voll.
Woran Sie den Befall erkennen, ohne ein Tier zu sehen
Kotkrümel wie gemahlener Pfeffer an Spaltenrändern und Schranktürfalzen; leere, braune Eikapseln von etwa acht Millimetern; durchsichtige Häutungshemden; ein süßlich-muffiger Geruch bei stärkerem Befall; und Spuren hinter und unter Elektrogeräten. Ein Blick mit der Taschenlampe in den Spalt zwischen Herd und Arbeitsplatte sagt mehr als eine Woche abwarten.
Orientalische Schabe und Braunbandschabe
Die Orientalische Schabe (Küchenschabe) ist größer, dunkler, wesentlich langsamer und kann nicht an glatten senkrechten Flächen klettern. Sie bevorzugt kühlere, feuchte Bereiche: Keller, Heizungsräume, Müllräume, Kanalschächte, Tiefgaragen. In Mehrfamilienhäusern wandert sie über Abwasserleitungen und Lichtschächte ein. Weil sie weniger klettert, lässt sie sich leichter begrenzen, dafür sitzt die Quelle häufig außerhalb des Gebäudes.
Die Braunbandschabe (Supella longipalpa) ist in Deutschland seltener, nimmt aber zu. Sie liebt es warm und trocken und siedelt deshalb bevorzugt in und an Elektrogeräten – in Kühlschrankmotoren, Fernsehern, Routern, Kaffeemaschinen, Serverschränken. Das macht sie schwierig, weil die Verstecke stromführend und schlecht zugänglich sind. Dazu unser Beitrag über Schaben in Elektrogeräten.
Art bestimmen lassen, bevor Sie handeln
Ein scharfes Foto von oben, möglichst mit einer Münze als Größenvergleich, genügt uns meist für die Bestimmung. Am Telefon sagen wir Ihnen, ob Handlungsbedarf besteht und in welchem Umfang.
Die Waldschabe – der häufigste Fehlalarm
Von Mai bis September erreichen uns regelmäßig Anrufe wegen „Kakerlaken im Schlafzimmer“, bei denen es sich um die Gemeine Waldschabe handelt. Sie ist sieben bis elf Millimeter lang, schlank, hell lederfarben mit durchscheinenden Flügeln, fliegt gut und wird abends vom Licht angelockt oder mit Wäsche und Gartenmöbeln hereingetragen.
Waldschaben vermehren sich nicht in Gebäuden. Sie brauchen Laub, Totholz und Feuchtigkeit, finden in der Wohnung keine Nahrung und sterben binnen Tagen. Sie übertragen keine Erreger und bilden keinen Befall. Der richtige Umgang besteht darin, das Tier mit einem Glas nach draußen zu setzen und abends Insektenschutzgitter zu verwenden. Die Unterscheidung im Detail beschreibt unser Beitrag zur Verwechslung von Waldschabe und Kakerlake.
Was bei einem echten Befall folgt
Schaben zählen zu den Gesundheitsschädlingen; sie können auf ihrer Körperoberfläche und im Verdauungstrakt Erreger verschleppen, darunter Salmonellen, und ihr Kot sowie ihre Häutungsreste wirken als Allergenquelle in Innenräumen. Für die Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen kann die Behörde nach § 17 Infektionsschutzgesetz Maßnahmen anordnen; in Lebensmittelbetrieben ist ein Befall zudem ein Hygienemangel mit Dokumentationsfolgen.
Fachlich gearbeitet wird in drei Schritten: Befundaufnahme mit Klebefallen zur Bestimmung von Art, Umfang und Verteilung; Behandlung mit Köderpräparaten statt Sprays, weil Köder die versteckten Tiere über die Nahrungsaufnahme erreichen, während Sprühnebel sie abdrängt; und Erfolgskontrolle über mehrere Wochen, weil die nächste Generation aus geschützten Eipaketen schlüpft. In Mehrfamilienhäusern kommt die strangweise Behandlung hinzu – eine Einzelwohnung zu behandeln, während die Tiere über Leitungsschächte zurückwandern, führt zuverlässig zum Rückfall. Mehr dazu in unserem Beitrag zur strangweisen Sanierung im Mehrfamilienhaus.
Woher der Befall kommt – die Eintragswege
Die Frage nach der Herkunft wird fast immer gestellt und ist für die Bekämpfung wichtig, weil ein Weg, der offen bleibt, den nächsten Befall liefert. Fünf Wege decken die Praxis ab.
- Verpackungen und Getränkekisten. Mehrwegkästen, Kartonagen und Paletten aus Lager und Handel sind der häufigste Eintragsweg in Privathaushalte – die Tiere sitzen in Wellpappe-Hohlräumen und unter Kastenböden.
- Gebrauchte Elektrogeräte. Kühlschränke, Mikrowellen, Kaffeemaschinen und Fernseher aus zweiter Hand. Der warme Motorraum ist ein ideales Versteck, und das Gerät wird selten vorher geöffnet.
- Die Nachbarwohnung. Über Leitungsschächte, Rohrdurchführungen, Steckdosen und Abwasserleitungen wandern Deutsche Schaben zwischen Einheiten; gerade wenn in einer Wohnung behandelt wird, weichen sie aus.
- Gepäck und Umzugsgut nach Reisen oder aus Zwischenlagerung.
- Lieferungen in Betriebe, vor allem bei Wareneingang ohne Kontrolle. In Gastronomie und Handel ist das der Hauptweg, weshalb die Wareneingangskontrolle in jedem Monitoringkonzept steht.
Für Lebensmittelbetriebe folgt daraus eine Pflicht und keine Empfehlung: Die allgemeinen Hygieneanforderungen verlangen, dass Schädlinge beherrscht werden, und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führt dazu Hinweise für die Praxis. Ein dokumentiertes Monitoring mit Klebefallen an definierten Stellen erkennt einen Eintrag in der Woche, in der er stattfindet – und nicht erst in dem Monat, in dem die Tiere tagsüber laufen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob es nur eine zugeflogene Waldschabe war?
An drei Dingen: Sie tritt einzeln auf, von Mai bis September, und fast immer in Räumen mit Licht am offenen Fenster oder nach einem Gartenaufenthalt. Waldschaben fliegen gut, sind schlank, hell lederfarben und meiden Wärme und Dunkelheit. Hygieneschädliche Arten fliegen praktisch nicht, treten in Mehrzahl auf und verstecken sich tagsüber in warmen Spalten.
Warum ist die Artbestimmung so wichtig?
Weil sie über Aufwand und Vorgehen entscheidet. Bei einer zugeflogenen Waldschabe genügt es, das Tier hinauszusetzen. Bei der Deutschen Schabe ist in einem Mehrfamilienhaus praktisch immer eine strangweise Behandlung mit mehreren Terminen und Monitoring nötig, weil die Tiere über Leitungsschächte wandern. Wer das verwechselt, behandelt entweder zu viel oder zu wenig.
Sind Schaben in der Wohnung ein Zeichen für Unsauberkeit?
Nein. Die Deutsche Schabe wird mit Verpackungen, Getränkekisten, Gebrauchtgeräten und Gepäck eingetragen oder wandert aus einer Nachbarwohnung zu. Sie kommt in gepflegten Wohnungen genauso vor. Sauberkeit entscheidet nicht über den Eintrag, wohl aber darüber, wie schnell sich ein Befall entwickelt – Krümel, Fett und Feuchtigkeit sind die Nahrungsgrundlage.
Kann ich Schaben selbst bekämpfen?
Bei der Deutschen Schabe in aller Regel nicht erfolgreich. Die Eipakete sind gegen Kontaktmittel weitgehend unempfindlich, und Sprays treiben die Tiere in Nachbarbereiche ab, wodurch aus einem Küchenbefall ein Wohnungsbefall wird. Fachlich wird mit Köderpräparaten und Monitoring gearbeitet, und zwar über mehrere Wochen. Was angezeigt ist, beurteilt unser Fachmann vor Ort.
- RKI-Ratgeber Salmonellose (www.rki.de)
- Umweltbundesamt: Insektizide (www.umweltbundesamt.de)
- LGL Bayern: Lebensmittelhygiene (www.lgl.bayern.de)
- § 17 Infektionsschutzgesetz (www.gesetze-im-internet.de)