Rattenkot erkennen Sie an der Größe: Er ist ein bis zwei Zentimeter lang, etwa fünf Millimeter dick, spindelförmig und an mindestens einem Ende zugespitzt. Mäusekot ist dagegen nur drei bis acht Millimeter lang und reiskornförmig. Marderkot ist größer, oft spiralig gedreht und enthält Haare, Knochen- oder Kirschkernreste; Fledermauskot zerfällt beim Zerdrücken zu glitzerndem Insektenstaub. Entscheidend ist nicht nur die Form, sondern die Menge am Fundort und die Frische.
Grundlage: Praxiserfahrung aus der Befundaufnahme; RKI zu Nagetier-assoziierten ErregernKot ist in der Befundaufnahme das wertvollste Merkmal: Er verrät die Art, die Menge der Tiere, die Laufwege und sogar, ob der Befall noch läuft. Vorausgesetzt, er wird richtig zugeordnet. In der Praxis werden Mäusekot und Insektenkot regelmäßig für Rattenkot gehalten – mit der Folge, dass eine Woche lang das falsche Tier bekämpft wird.
Rattenkot im Detail
Die in Deutschland weitaus häufigste Art ist die Wanderratte. Ihr Kot ist ein bis zwei Zentimeter lang und etwa vier bis sechs Millimeter dick, spindel- bis walzenförmig, an mindestens einem Ende deutlich zugespitzt. Frisch ist er schwarz und feucht glänzend, mit einer glatten, fast lackierten Oberfläche; er lässt sich mit einem Holzstäbchen eindrücken.
Charakteristisch ist die Verteilung: Wanderratten setzen Kot in Gruppen ab, häufig zwanzig bis vierzig Körner an einer Stelle, und sie legen bevorzugte Absatzplätze an – an Laufwegen, in Nestnähe, an Fressplätzen und an Engstellen. Ein einzelnes Korn mitten im Raum ist untypisch.
Die seltenere Hausratte hinterlässt etwas kleineren, gebogeneren Kot, der an beiden Enden zugespitzt ist, und verteilt ihn stärker. Sie kommt vor allem in Hafenstädten und älteren Dachkonstruktionen vor.
Die Gegenüberstellung
| Verursacher | Länge | Form und Merkmale | Typischer Fundort |
|---|---|---|---|
| Wanderratte | 10–20 mm | spindelförmig, ein Ende spitz, glatt, in Gruppen | Keller, Hof, Kanalnähe, Laufwege an Mauern |
| Hausratte | 8–12 mm | schlanker, beidseitig spitz, gebogen, verstreut | Dachboden, Zwischendecken |
| Hausmaus | 3–8 mm | reiskornförmig, beidseitig spitz, hart | Küche, Vorratsschrank, Schubladen, überall verstreut |
| Steinmarder | 20–100 mm | wurstförmig, oft gedreht, Haare und Knochenreste | Dachboden, fester Kotplatz, deutlicher Geruch |
| Fledermaus | 5–12 mm | trocken, zerfällt zu glitzerndem Insektenstaub | unter Spalten an Dach und Fassade, in Haufen |
| Igel | 30–50 mm | schwarz glänzend, mit erkennbaren Insektenteilen | Garten, Terrasse, unter Hecken |
| Siebenschläfer | 8–15 mm | schlank, leicht gebogen, oft mit Pflanzenresten | Dachboden, Mai bis September |
| Schabe | unter 2 mm | feines, kantiges Granulat, wie gemahlener Pfeffer | hinter Geräten, in Fugen, in Schränken |
Mit einem Holzstäbchen und Handschuhen: Nagetierkot bleibt kompakt oder bricht in Stücke. Fledermauskot zerfällt zu trockenem Staub, in dem Chitinreste silbrig glitzern – das ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal und wichtig, weil Fledermäuse streng geschützt sind und ein Quartier nicht ohne Weiteres beseitigt werden darf.
Was die Menge über den Befall sagt
Eine Wanderratte setzt etwa dreißig bis vierzig Kotkörner pro Tag ab, eine Hausmaus fünfzig bis achtzig. Daraus lässt sich grob schließen, mit wie vielen Tieren zu rechnen ist – vorausgesetzt, Sie wissen, über welchen Zeitraum sich der Fund angesammelt hat.
Deshalb lohnt die Reinigungsprobe: Entfernen Sie den gefundenen Kot vollständig, markieren Sie die Stelle und sehen Sie nach drei Tagen erneut nach. Was neu hinzugekommen ist, entspricht drei Tagen aktueller Aktivität. Diese einfache Vorgehensweise ersetzt jede Schätzung und ist genau das, was ein Fachbetrieb bei der Erstaufnahme ebenfalls tut.
Achtung bei der Interpretation: Große Mengen staubtrockenen, grauen Kots in einem selten genutzten Keller oder Dachboden bedeuten oft einen Befall, der vor Monaten oder Jahren bestand. Panik ist dann unangebracht, eine Reinigung trotzdem sinnvoll.
Fund fotografieren und schicken
Legen Sie für die Größeneinschätzung eine Münze oder ein Streichholz daneben und fotografieren Sie aus der Nähe. Am Telefon sagen wir Ihnen, welches Tier es ist und ob Handlungsbedarf besteht. Die Einschätzung kostet nichts.
Welche Erreger tatsächlich eine Rolle spielen
Die Risikoeinschätzung gelingt nur mit konkreten Erregern, nicht mit dem Begriff „Krankheitsüberträger“.
Leptospirose. Der praktisch bedeutsamste nagetierassoziierte Erreger in Deutschland. Die Bakterien werden mit dem Urin ausgeschieden und können über Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen aufgenommen werden, insbesondere bei Kontakt mit feuchter Erde oder Wasser. Der RKI-Ratgeber Leptospirose nennt entsprechende Tätigkeiten ausdrücklich als Expositionsmöglichkeit.
Hantaviren. In Deutschland vor allem über die Rötelmaus verbreitet, nicht über Ratten. Die Übertragung erfolgt nach dem RKI-Ratgeber durch Einatmen virushaltiger Aerosole, auch aus getrocknetem Material. Das ist der fachliche Grund dafür, nichts trocken zu fegen.
Salmonellen und Campylobacter. Relevant dort, wo Nagetiere mit Lebensmitteln, Futtermitteln, Arbeitsflächen oder Spielsand in Berührung kommen.
Fuchsbandwurm. Betrifft nicht Nagetierkot als Quelle, sondern Marder- und Fuchskot – ein Grund mehr, die Zuordnung sauber zu treffen. Hinweise dazu führt das Bundesinstitut für Risikobewertung.
So räumen Sie richtig auf
- Lüften, bevor Sie beginnen. Fenster und Tür öffnen, einige Minuten warten, erst dann den Raum betreten.
- Schutz anlegen. Einweghandschuhe, FFP-2-Maske, bei größeren Flächen zusätzlich Einwegoverall und Schutzbrille.
- Anfeuchten. Kot, Urinflecken und Nistmaterial mit Wasser oder einem Haushaltsdesinfektionsmittel besprühen und einwirken lassen. Das verhindert die Staubbildung, auf die es ankommt.
- Feucht aufnehmen. Mit Küchenpapier oder Einwegtuch, nicht fegen, nicht mit dem Haushaltsstaubsauger arbeiten. Ein Industriesauger mit HEPA-Filter ist zulässig, ein normaler Beutelstaubsauger verteilt die Partikel in der Raumluft.
- Entsorgen. In einem doppelt verschlossenen Beutel in den Restmüll, nicht in den Bioabfall.
- Nachreinigen. Flächen feucht wischen, bei Lebensmittelkontakt anschließend desinfizieren.
- Hände waschen und Arbeitskleidung bei mindestens sechzig Grad waschen.
Wann der Fund mehr als eine Reinigung verlangt
Ein einzelner Kotfund im Gartenschuppen ist eine Reinigungsaufgabe. In vier Situationen ist mehr nötig, und zwar bevor gereinigt wird.
Kot in Lebensmittelbereichen. In Küchen, Vorratsräumen, Gastronomie, Bäckerei oder Lebensmittelhandel ist ein Nachweis ein Befund mit Dokumentationspflicht. Hier zählt die Reihenfolge Befund, Maßnahme, Nachweis – und nicht das schnelle Wegwischen vor der Kontrolle.
Kot in der Dämmebene oder Zwischendecke. Dann sitzt das Nest im Bauteil, und die Reinigung erreicht nur die Oberfläche.
Kot in einem Mehrfamilienhaus. Was im Keller einer Einheit beginnt, betrifft in der Regel den ganzen Strang. Eine Einzelmaßnahme hält nicht.
Kot zusammen mit Nagespuren an Leitungen. Hier besteht neben dem hygienischen ein technisches Risiko. Was zu tun ist, beurteilt unser Fachmann bei der Begutachtung vor Ort und entscheidet es nach seinem fachlichen Ermessen.
Urinspuren – das übersehene Merkmal
Kot ist das sichtbare Merkmal, Urin das aussagekräftigere. Nagetiere markieren ihre Laufwege ständig mit kleinen Urinmengen; auf glatten Oberflächen entstehen dabei feine, bei Nässe matt glänzende Spuren, die sich zu Streifen und Pfützchen verbinden. Unter UV-Licht fluoreszieren sie bläulich-weiß, weshalb eine einfache Schwarzlichtlampe in der Befundaufnahme ein überraschend nützliches Werkzeug ist.
Praktisch bedeutsam ist das aus zwei Gründen. Erstens zeigt die Urinspur die Laufwege vollständig an, während Kot nur die Absatzplätze markiert – wer abdichten oder Monitoring aufstellen will, braucht den Laufweg. Zweitens ist Urin der Übertragungsweg für Leptospiren, nicht der Kot. Eine Fläche ohne sichtbaren Kot kann deshalb kontaminiert sein, und das ist der Grund, warum in Lebensmittelbereichen nach einem Nagetierbefall nicht nur gereinigt, sondern desinfiziert wird.
Ein dritter Hinweis sind Haare. An Engstellen, Rohrdurchführungen und unter Paletten bleiben einzelne Haare hängen – kurz, steif, grau bis braun. Zusammen mit Schmierspuren und Kot ergeben sie ein Bild, das belastbarer ist als jedes Einzelmerkmal. Bei der gewerblichen Befundaufnahme nach DIN EN 16636 werden genau diese Spuren erfasst und dokumentiert, bevor über eine Maßnahme entschieden wird.
Häufige Fragen
Wie frisch ist der Kot, den ich gefunden habe?
Frischer Kot ist dunkel, feucht glänzend und lässt sich mit einem Hölzchen verformen. Nach etwa drei Tagen wird er matt, nach einer Woche grau und bröselig, nach Wochen staubtrocken und zerfällt beim Antippen. Für die Beurteilung ist das wichtiger als die Menge: Viel alter Kot bedeutet einen vergangenen Befall, wenige frische Körner einen laufenden.
Ist Rattenkot gefährlich?
Ein direkter Kontakt sollte vermieden werden. Nagetiere können Erreger wie Leptospiren, Salmonellen und Campylobacter ausscheiden; in Deutschland sind außerdem Hantaviren bei Mäusen von Bedeutung. Das Risiko entsteht vor allem beim Einatmen von aufgewirbeltem Staub und beim Kontakt mit Schleimhäuten oder verletzter Haut – nicht beim Anblick.
Wie räume ich Nagetierkot sicher auf?
Nicht trocken fegen und nicht mit dem Haushaltsstaubsauger aufsaugen. Besprühen Sie Kot und Nistmaterial zuerst mit Wasser oder einem Haushaltsdesinfektionsmittel, lassen Sie es kurz einwirken und nehmen Sie alles feucht mit Einweghandschuhen und FFP-2-Maske auf. Material in verschlossenen Beuteln in den Restmüll, danach lüften und Hände waschen.
Ich finde Kot, sehe aber kein Tier – was heißt das?
Das ist der Normalfall. Ratten und Mäuse sind nachtaktiv und meiden Menschen; sichtbarer Kot ist deshalb oft der erste und lange der einzige Hinweis. Streuen Sie an der Fundstelle abends eine dünne Schicht Mehl aus. Erscheinen am Morgen Trittsiegel oder ist frischer Kot hinzugekommen, läuft der Befall aktuell.
- RKI-Ratgeber Leptospirose (www.rki.de)
- RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung (www.rki.de)
- BfR: Fuchsbandwurm (www.bfr.bund.de)
- RKI-Ratgeber Salmonellose (www.rki.de)