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Vorbeugung

Mäusekot im Keller: Warum trocken Fegen gefährlich ist

Der häufigste Fehler beim Kellerputz: trocken fegen. Dieser Beitrag erklärt, warum dabei ein reales Infektionsrisiko entsteht, welche Schutzausrüstung angemessen ist und wie die Reinigung fachlich richtig abläuft.

Kurz beantwortet

Mäusekot sollte niemals trocken gefegt oder mit einem Haushaltsstaubsauger aufgenommen werden. Nagetiere scheiden Erreger mit Urin, Kot und Speichel aus; Hantaviren bleiben nach Angaben des Robert Koch-Instituts auch in getrocknetem Material mehrere Tage infektiös und werden durch eingeatmete Aerosole übertragen. Richtig ist deshalb: anfeuchten, mit Einweghandschuhen und FFP-2-Maske feucht aufnehmen, in verschlossenen Beuteln entsorgen, danach lüften und Hände waschen.

Grundlage: RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung

Es ist eine der wenigen Stellen in diesem Ratgeber, an denen wir ausdrücklich warnen: Der Griff zum Handfeger beim Kellerputz ist die riskanteste Handlung im gesamten Umgang mit Nagetieren. Nicht der Befall selbst macht krank, sondern die Reinigung, wenn sie falsch abläuft.

Warum Staub das Problem ist

Nagetiere scheiden Erreger über Urin, Kot und Speichel aus. Diese Ausscheidungen trocknen auf Boden, Kartons, Dämmstoff und Vorräten an. Wird das Material bewegt – gefegt, abgeklopft, mit dem Haushaltsstaubsauger aufgenommen, bei einer Entrümpelung aufgewirbelt –, entstehen Aerosole: Partikel, die klein genug sind, um minutenlang in der Luft zu bleiben und eingeatmet zu werden.

Der RKI-Ratgeber zur Hantavirus-Erkrankung beschreibt genau diesen Weg: Übertragung durch Einatmen virushaltiger Aerosole, etwa aufgewirbelten Staub, sowie durch Kontakt verletzter Haut mit kontaminiertem Material. Ausdrücklich genannt wird, dass die Viren auch in getrocknetem Material mehrere Tage infektiös bleiben können. Ein Befall, der vor einer Woche endete, ist deshalb nicht automatisch harmlos.

Reservoir in Deutschland ist vor allem die Rötelmaus für das Puumala-Virus und die Brandmaus für den Typ Kurkino des Dobrava-Belgrad-Virus. Beide sind Waldbewohner, die im Herbst gern in Gartenhäuser, Schuppen, Garagen, Keller und Holzlager einwandern – also genau dorthin, wo im Frühjahr aufgeräumt wird.

Wann ärztliche Abklärung angezeigt ist

Eine Hantavirus-Erkrankung beginnt nach einer Inkubationszeit von meist zwei bis vier Wochen mit plötzlichem hohem Fieber, starken Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen und kann zu Nierenfunktionsstörungen führen. Wer nach Aufräumarbeiten in einem nagetierbelasteten Raum solche Beschwerden entwickelt, sollte ärztlich abklären lassen und den Expositionsbezug ausdrücklich erwähnen – sonst wird daran nicht gedacht.

Die Schutzausrüstung – und was sie kostet

Der Aufwand ist überschaubar und steht in keinem Verhältnis zum Risiko.

  • FFP-2-Maske für übliche Reinigungsarbeiten, FFP-3 bei großflächigem Befall, bei Arbeiten in engen Räumen und beim Entfernen von Nistmaterial aus Dämmstoff. Ein chirurgischer Mundschutz hilft nicht, weil er keine Aerosole filtert.
  • Einweghandschuhe, bei nassen Arbeiten darüber ein Paar Chemikalienschutzhandschuhe.
  • Schutzbrille, sobald über Kopfhöhe gearbeitet wird – also auf jedem Dachboden.
  • Einwegoverall bei größeren Flächen, sonst Arbeitskleidung, die anschließend bei sechzig Grad gewaschen wird.
  • Drucksprüher oder Blumenspritze mit Wasser oder Haushaltsdesinfektionsmittel – das wichtigste Werkzeug überhaupt.

Für gewerbliche Arbeiten gelten darüber hinaus die Regeln des Arbeitsschutzes; die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung stellt Informationen zu Gefährdungsbeurteilung und persönlicher Schutzausrüstung bereit. Wer Mitarbeiter mit Entrümpelungen beauftragt, braucht diese Beurteilung – auch bei einer Kellerreinigung.

Reinigung Schritt für Schritt

  1. Vorlüften. Fenster und Tür öffnen, zehn Minuten warten, erst dann eintreten. Wo keine Fenster sind, mit einem Ventilator nach außen entlüften.
  2. Schutz anlegen, und zwar vor dem Betreten, nicht erst im Raum.
  3. Großflächig anfeuchten. Nicht nur die Kotstellen, sondern die gesamte Fläche, auf der gearbeitet wird. Zwanzig Minuten einwirken lassen.
  4. Feucht aufnehmen. Einwegtücher, Küchenpapier, Wischmopp mit Einwegauflage. Tücher sofort in den Beutel, nicht auswringen und erneut verwenden.
  5. Nistmaterial vorsichtig bergen. Nester in Dämmwolle, Textilien und Kartons nicht ausschütteln, sondern anfeuchten und vollständig in einen Beutel überführen.
  6. Befallene Vorräte und Textilien entsorgen oder – bei Textilien – bei mindestens sechzig Grad waschen.
  7. Flächen desinfizieren, wenn sie mit Lebensmitteln oder Haut in Berührung kommen. Für übrige Flächen genügt gründliches feuchtes Wischen.
  8. Doppelt verpackt in den Restmüll, nicht in den Bioabfall und nicht auf den Kompost.
  9. Nachlüften, Schutzausrüstung außen ablegen, Hände und Unterarme gründlich waschen.

Großer Befall im Keller oder Dachboden?

Bei flächigem Befall, bei Nestern in der Dämmung und in Kellern ohne Fenster übernehmen wir die Reinigung mit entsprechender Ausrüstung – und beseitigen gleich die Ursache. Rufen Sie an, wir besprechen den Umfang.

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Die Reinigung allein löst nichts

Ein sauberer Keller, dessen Zugänge offen bleiben, ist in zwei Monaten wieder belegt. Mäuse kommen durch sechs Millimeter Spalt; die Zugänge liegen fast immer an Rohrdurchführungen, Türschwellen, Lichtschächten und Lüftungsöffnungen. Wie Sie diese Stellen finden und nagefest verschließen, beschreibt unser Beitrag über Eintrittswege von Mäusen.

Zwei Punkte sind dabei besonders häufig und werden beim Aufräumen regelmäßig neu geschaffen: Erstens Vogel- und Tierfutter, das nach der Reinigung wieder in Papiersäcken im Keller landet. Zweitens Kartons und Textilien, die nach dem Putzen ordentlich gestapelt werden und damit erst das Nestangebot herstellen, das vorher fehlte. Offene Regale aus Metall, Behälter mit Deckel und ein freier Streifen entlang der Wände sind in einem Keller mehr wert als jede Falle.

Die anderen Erreger – kurz eingeordnet

Hantaviren sind der Grund für die Staubregel, aber nicht der einzige Erreger. Leptospiren werden mit dem Urin ausgeschieden und spielen vor allem bei feuchten Arbeiten und bei Hautverletzungen eine Rolle; dazu informiert der RKI-Ratgeber Leptospirose. Salmonellen sind dort bedeutsam, wo Nagetiere mit Lebensmitteln, Futtermitteln oder Arbeitsflächen in Berührung kommen. Lymphozytäre Choriomeningitis wird von Hausmäusen übertragen und ist selten, aber in der Schwangerschaft relevant. Und schließlich sind Vorratsmilben und Schimmelpilze auf länger befallenem Material ein eigenständiger Grund für Atemwegsbeschwerden, der häufig dem Nagetier zugeschrieben wird.

Keiner dieser Punkte rechtfertigt Angst vor dem eigenen Keller. Sie rechtfertigen aber den Verzicht auf den Handfeger – und eine Sprühflasche mit Wasser, bevor es losgeht.

Wo im Haus das Risiko am höchsten ist

Nicht jeder Raum mit Mäusekot ist gleich kritisch. Entscheidend sind drei Faktoren: wie viel Material liegt, wie staubig wird die Arbeit und wie gut ist der Raum belüftet.

Hoch: Dachboden mit Dämmung und Nistmaterial, enger Kriechkeller, Gartenhaus und Schuppen mit jahrelang ungestörtem Bestand, Brennholzlager, Garage mit gelagerten Textilien. Hier kommt alles zusammen – viel Material, viel Staub, wenig Luftwechsel. Diese Räume sollten vor der Arbeit mindestens eine halbe Stunde zwangsentlüftet werden, am besten mit einem Ventilator im Fenster, der nach außen bläst.

Mittel: Keller mit Fenster, Abstellräume, Hauswirtschaftsräume. Hier genügen Vorlüften, Anfeuchten und FFP-2.

Gering: einzelne Kotkörner in einer Küchenschublade. Hier ist das Vorgehen schlicht: feucht aufnehmen, Fläche reinigen, bei Lebensmittelkontakt desinfizieren. Die Schublade deswegen zu entsorgen, wie es gelegentlich empfohlen wird, ist nicht erforderlich.

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Nistmaterial in Dämmstoff. Hier liegt die höchste Konzentration an Ausscheidungen, und das Material lässt sich nicht reinigen. Betroffene Dämmung muss ausgetauscht werden. Wer das selbst macht, arbeitet mit FFP-3, Schutzbrille, Einwegoverall und entlüftet den Raum kontinuierlich nach außen. Bei größeren Flächen – etwa einem vollständig befallenen Dachgeschoss – ist das eine Aufgabe für einen Fachbetrieb, nicht wegen der Tiere, sondern wegen der Staubbelastung.

Besondere Vorsicht bei bestimmten Personengruppen

Zwei Gruppen sollten solche Arbeiten nicht selbst übernehmen. Schwangere, weil die Lymphozytäre Choriomeningitis von Hausmäusen übertragen werden kann und in der Schwangerschaft relevant ist. Und Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen, weil Schimmelsporen auf länger befallenem Material und Nagetierallergene zusammen eine erhebliche Belastung darstellen – unabhängig von Hantaviren. Für Beschäftigte gilt in diesen Fällen die arbeitsmedizinische Beurteilung; Hinweise dazu stellt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung bereit.

Häufige Fragen

In welchen Regionen Deutschlands besteht das höchste Hantavirus-Risiko?

Die Fallzahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr und hängen von der Rötelmauspopulation ab, die wiederum der Bucheckernmast folgt. Schwerpunkte liegen traditionell in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen, besonders in buchenreichen Mittelgebirgslagen. Verlässliche aktuelle Zahlen veröffentlicht das Robert Koch-Institut.

Welche Maske brauche ich zum Aufräumen?

Für übliche Reinigungsarbeiten in Keller, Schuppen oder Dachboden genügt eine partikelfiltrierende Halbmaske FFP-2. Bei großflächigem Befall, bei Arbeiten in engen, schlecht belüfteten Räumen oder beim Entfernen von Nistmaterial aus Dämmung ist FFP-3 angemessen. Eine chirurgische Mundschutzmaske schützt nicht; sie filtert keine Aerosole.

Darf ich den Staubsauger benutzen?

Einen normalen Haushaltsstaubsauger nicht – er bläst Feinstaub mit der Abluft in den Raum zurück. Zulässig ist ein Sauger mit HEPA-Filter der Klasse H und dicht schließendem Beutel, wie er auch bei Schimmelsanierungen verwendet wird. Günstiger und sicherer ist für kleine Flächen das feuchte Aufnehmen mit Einwegtüchern.

Wie erkenne ich Mäusekot von Insektenkot?

Mäusekot ist drei bis acht Millimeter lang, reiskornförmig, an beiden Enden zugespitzt und hart; frisch ist er schwarz und glänzend. Schabenkot ist kleiner als zwei Millimeter und wirkt wie gemahlener Pfeffer, Fledermauskot zerfällt zu glitzerndem Insektenstaub. Die Unterscheidung lohnt sich, weil jedes dieser Tiere ein anderes Vorgehen verlangt.

Quellen und weiterführende Vorschriften
  1. RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung (www.rki.de)
  2. RKI-Ratgeber Leptospirose (www.rki.de)
  3. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Prävention (www.dguv.de)
  4. RKI-Ratgeber Salmonellose (www.rki.de)
Heinz Linten

Schädlingsbekämpfer bei Kammerjäger Linten. Dieser Beitrag beruht auf Fachliteratur, geltenden Vorschriften und der täglichen Praxis im Einsatz. Rechtliche Ausführungen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Zuletzt geprüft am 4. Oktober 2026

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